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Eine kleine Begebenheit zu meinem Brasilien-Urlaub, der schon lange zurück liegt.
(Man sieht das schon am Foto von mir)
 
Eigentlich wollte ich nur die Heimat meiner Blaustirnamazone (ein Wildfang) genauer kennenlernen. Hoffnung, Krummschnäbel anzutreffen, machte ich mir vorher keine. Nach 11-stündigem Flug nach Sao Paulo, dann ein 4-stündiger Flug nach Manaus und nochmals 3 Stunden mit dem Bus, war ich fast an meinem Ferienziel angekommen. Es fehlte nur noch die 1-stündige Bootsfahrt auf einem Nebenarm des Rio Negro, ein Zufluss des Amazonas. Während der Busfahrt machte ich meinem Führer klar, dass ich Papageien über alles liebe.
An der Bushaltestelle, fast neben dem wartenden Boot, stand ein kleiner Laden d.h. eher eine Theke (wie auf dem Foto sichtbar). Mein Führer nahm mich mit, er wollte mir etwas zeigen. Eine kleine Tür des Ladens war nach innen geöffnet und es entstand in der Ecke noch ein versteckter “Raum“. Dort, im Dunklen, sassen 2 kleine junge Fächerpapageien auf einem Querbalken. Die Zwei zitterten am ganzen Körper. Vor Kälte oder Angst, ich wusste es nicht. Die “(Laden-)Besitzer“ nahmen die 2 heraus und setzten sie auf ein Holzgeländer vor dem Laden.
Auf die Frage, wie sie zu den Papageien gekommen seien, erwiderten die Besitzer, das Nest sei zu nahe am Wasserspiegel gewesen, und die Jungen wären ansonsten ertrunken, hätten sie sie nicht gesehen und gerettet, das Wasser sei ja am steigen. Ein ganz klare  Lüge!
Ich durfte mich mit den Kleinen abgeben. Die wurden, entgegen meinem ersten Eindruck, sehr munter, zahm und sogar frech. Da wurde auf meinem Arm zuerst ein Flügel ausgestreckt. So konnte ich das Gefieder auch genauer anschauen. Die Brust-, Stirn- und viele anderen Federn waren fast alle noch in der schützenden Hornschicht. Die Schwung- und Deckfedern waren schon weiterentwickelt. Einer versuchte bereits ein wenig zu fliegen, wenn auch mit Bodenbruchlandung. Der Andere war um so eifersüchtiger, er hatte körperlich noch nicht seinem Kollegen eingeholt.
Ich konnte mit den zwei Kleinen sehr gut spielen. Sie kletterten an meinem T-Shirt rauf und runter und wollten im Nacken gekrault werden. Jeder versuchte, meine ganze Aufmerksam auf sich zu lenken, was zu entsprechenden Eifersüchteleien führte. Generell waren die zwei Fächerpapageien gut entwickelt und sahen auch recht gesund aus.
Nach der Frage, was die zwei zu Essen bekämen, wurde mir eine Packung gezeigt, in welcher sich eine Art Griess befand, der aber natürlich für die Menschen dort gedacht war. Ich gab mich noch sehr lange mit den Papageien ab, bevor ich zu meinem Ferienziel aufbrechen musste. Ich hatte mich in die Zwei verliebt, die jungen Fächerpapageien taten mir leid, sie gehörten zu den Eltern in die Freiheit.
Vermutlich aus reiner Habgier den Eltern weggestohlen. Was würde wohl diese Familie tun, wenn ich ihnen einfach die geliebten Kinder wegnehmen würde, nur des Geldes wegen?
 
Ich hoffte nur, die Zwei wieder bei meiner Rückkehr, nach 8 Tagen, zu sehen. Ich hatte Glück. Nach den Ferien im faszinierenden Amazonasgebiet, wartete ich an der Haltestelle, und der Zufall wollte es, dass der Bus über eine halbe Stunde Verspätung hatte. Also, nichts wie rüber zu meinen “Geliebten“. Die waren bereits draussen auf dem Holzgeländer. Diesmal sass noch eine junge Amazone neben den Fächerpa­pageien. Die Kleinen hatten sich in der Zwischenzeit prächtig entwickelt. Alle Brust-, Stirn- und Nackenfedern waren innerhalb 8 Tage freigelegt und entsprechend gepflegt worden, fast keine Feder zeigte eine Hornschicht. Ich freute mich riesig, dass es den Beiden gut ging. Die Schwungfedern waren aber leider bereits gekürzt, damit sie nicht davonfliegen konnten. Der Essplan hatte sich auch geändert. Was sich aber auch verändert hatte, war die Zutraulichkeit. Auf dem Balken wurde ich kritisch prüfend betrachtet! Auf meinen Arm oder sogar Schulter wollten die Fächerpapageien nicht mehr klettern. Allgemeines unvorsichtiges Berühren hätte schmerzhaft enden können. Im Nacken durfte ich sie noch kraulen, aber nur mit entsprechender Vorsicht. Die Zwei waren komplett verändert in nur 8 Tagen, regelrecht aggressiv. Wollte ich einen auf die Hand nehmen, wurde dies mit einem Biss quittiert. Ich glaubte, diese zwei Fächerpapageien nicht mehr zu erkennen. Somit überbrückte ich die Wartezeit mit der Amazone, mit der ich mich nach kurzer Zeit um einiges besser verstand.
Sollte nächsten März wieder dasselbe passieren? Einerseits versucht man Arten zu erhalten, andererseits werden immer noch Jungtiere den Eltern weggenommen und aus welchen Gründen auch immer zu Hause (wenn auch im Busch) gehalten. Ich muss sagen, dieses Erlebnis mir halt sehr weh.
 
 








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